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Donnerstag, 25.06.2026

Es wird noch heißer: Klimaforscher prognostizieren bis 2027 globale Erwärmung von 1,7 Grad

Mann trinkt während einer Hitzewelle Wasser

Die Hitze wird immer mehr zum Problem: Klimaforscher der Uni Graz prognostizieren einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um mehr als 1,7 °C bis 2027. Foto: mbruxelle/Adobe Stock

Während Europa aktuell unter der Hitze stöhnt, entwickelt sich auch der weltweite Temperaturanstieg in Richtung beunruhigender Rekorde. 2026 liegt er voraussichtlich bei 1,62 Grad, 2027 sogar bei 1,71 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Auch der langfristige Temperaturanstieg – ein Mittelwert über einen Zeitraum von 20 Jahren – überschreitet bereits ab 2026 das 1,5-Grad-Limit des Pariser Klimaabkommens. Diese Prognose gelang Forschenden der Universität Graz erstmals so weit im Voraus. Die anwachsende Klimaschwankung El Niño begünstigt die Vorhersagequalität und erleichtert dadurch eine zuverlässige Berechnung.

„Eine derart frühe und genaue Vorhersage gleich für zwei Jahre, und das kombiniert mit einer langfristigen bis 2035, ist ein echtes Novum. Wir verstehen mittlerweile den Wärmeantrieb durch die menschgemachten Treibhausgasemissionen im Zusammenwirken mit natürlichen Schwankungen wie El Niño so gut, dass wir die Prognose zuverlässig erstellen konnten“, erklärt Gottfried Kirchengast, Klimaforscher am Wegener Center und Institut für Physik der Universität Graz. Sein Doktorand Moritz Pichler, der mit ihm gemeinsam die innovative Methodik entwickelt hat, ergänzt: „Wir nutzten bis Mai 2026 Beobachtungsdaten, ab Juni Saisonvorhersagen und für das Jahr 2027 das gute Vorwissen über die weiter zunehmende Erderwärmung sowie den Temperaturverlauf bei starken El-Niño-Ereignissen.“ 
Letztere tragen allerdings nur einen geringen Teil zur steigenden Hitze bei. Besonders besorgniserregend finden die Forscher den durch die Treibhausgasemissionen angeheizten langfristigen Temperaturanstieg. Ihr neuer Referenzdatensatz zur globalen oberflächennahen Lufttemperatur seit 1850 zeigt mit über 99 Prozent statistischer Sicherheit eine beschleunigte Zunahme seit 1980 und mittlerweile eine drastische Kollision mit den Pariser Klimazielen. Die langfristige Erwärmung erreicht nächstes Jahr 1,55 Grad und überschreitet voraussichtlich bereits 2032 mit 1,7 Grad sogar das Grenzziel von „deutlich unter zwei Grad“ aus dem Pariser Abkommen. „Ursache ist die fehlende Ambition beim Klimaschutz. Vermeidbar gewesene Klimagefahren wie die derzeitige extreme Hitzewelle in Europa sind die direkte Folge“, sagt Kirchengast.

Einfluss des Menschen
Der Physiker und sein Team haben in einer kürzlichen Publikation auch eine bahnbrechende Methode zur Berechnung von Gefahrengrößen für Wetter- und Klimaextreme vorgestellt (siehe News). Darin weisen sie den Zusammenhang des Anstiegs an Wärmeenergie in der globalen Atmosphäre mit der Zunahme der extremen Hitze in Österreich und ganz Europa nach. Gemeinsam mit seinem Kollegen Jürgen Fuchsberger hat Kirchengast die Methode nun direkt zur Analyse der aktuellen Hitzewelle in Österreich eingesetzt und gefunden, dass selbst dieses Einzelereignis durch die globale Erwärmung gesteuert ist. Sein kritisches Fazit: „Ich bin durch mein Vorwissen fachlich nicht überrascht, aber wirklich bestürzt, wie deutlich wir an einer einzelnen Hitzewelle schon den Einfluss der Erderwärmung und damit das bisherige Klimaschutzversagen sehen. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit gegenüber wenig emittierenden und stark betroffenen ärmeren Menschen und der jetzigen Kindergeneration.“

Referenzdatensatz:
Der neue Referenzdatensatz zu dieser Prognose und die Gefahrenmetriken für Hitzeextreme und Hitzestress in Österreich und Europa sind über das Webportal Graz Climate Change Indicators – ClimateTracer verfügbar: 

Publikationen:
G. Kirchengast & M. Pichler: A traceable global warming record and clarity for the 1.5 °C and well-below-2 °C goals, 2025. 
G. Kirchengast, S. J. Haas & J. Fuchsberger: A new class of climate hazard metrics and its demonstration: revealing a ten-fold increase of extreme heat over Europe, 2026. 

Grafik, die die Entwicklung der globalen Erwärmung beschreibt
Die Grafik illustriert bis 2025 den beobachteten und bis 2035 den vorhergesagten Anstieg der globalen oberflächennahen Lufttemperatur. Die jährlichen Beobachtungsdaten reichen bis 2025, die jährlichen Werte der langfristigen globalen Erwärmung bis 2035 (jeweils Mittelwert über 20 Jahre, dem Zentraljahr zugeordnet; ab 2016 anteilig mit Vorwärtsprojektion). Die Vorhersagen für 2026 und 2027 sind sowohl für die Jahresprognose als auch für den Langfrist-Mittelwert mit Zahlenwerten hervorgehoben (einschließlich Angabe 90-Prozent-Vertrauensbereich).
Die Zukunft bis 2040 ist um zwei mögliche Szenarien ergänzt. Die blaue Linie zeigt den Verlauf nach dem Klimaschutzszenario des IPCC, das zur Einhaltung der Pariser Ziele führt: starker Emissionsabbau um über 50 Prozent bis 2035 und Erreichen von Netto-Null CO2-Emissionen etwa zur Mitte des Jahrhunderts. Die orange Linie zeigt die Erwärmung bei nahezu gleichbleibenden Emissionen und führt zu einer Verfehlung der Klimaziele mit einem Anstieg auf über 1,7 °C schon vor 2035. Die Pariser Zielbereiche für das <1,5-°C-Hauptziel sowie das <1,7-°C-Grenzziel (für die maximale zwischenzeitliche Überschreitung von 1,5 °C um nach 2050 wieder unter diese Grenze zu kommen) sind gemäß der zugrundliegenden Publikation Kirchengast & Pichler (2025) eingezeichnet.
Für detaillierte Informationen zu den Daten und Berechnungen siehe die Quellen unter „Referenzdatensatz und Publikationen“.
Erstellt von Dagmar Eklaude

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