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Freitag, 21.10.2016

Gefährliche Klima-Schäden

Industrienationen müssen auch Verantwortung für Schäden durch den Klimawandel übernehmen. Wie das funktionieren kann, zeigen Wissenschafter der Uni Graz in einer aktuellen Publikation. Foto: Uwe Bergeest / pixelio.de

Industrienationen müssen auch Verantwortung für Schäden durch den Klimawandel übernehmen. Wie das funktionieren kann, zeigen Wissenschafter der Uni Graz in einer aktuellen Publikation. Foto: Uwe Bergeest / pixelio.de

Forscher der Uni Graz präsentieren Strategien zur Bewältigung

Negative Auswirkungen der globalen Erwärmung sind selbst mit ambitionierten Maßnahmen nicht mehr zu verhindern. Der Klimavertrag von Paris enthält daher auch Überlegungen, wie mit bereits offensichtlichen, unvermeidbaren Risiken umgegangen werden soll. Wie diese bemessen werden und welchen Spielraum die Politik hat, um darauf zu reagieren, ist jedoch sehr vage definiert und wird höchst unterschiedlich ausgelegt. Dr. Thomas Schinko und Dr. Reinhard Mechler, die beide sowohl an der Uni Graz als auch am International Institute for Applied Systems Analysis in Laxenburg tätig sind, haben nun konkrete Vorschläge erarbeitet, um einen politischen Konsens zu erreichen. Diese sind unter dem Titel „Identifying the policy space for climate loss and damage“ in der heutigen Ausgabe des Fachmagazins Science erschienen.

Vom Klimawandel besonders betroffene Staaten der Südhemisphäre forderten bei den Pariser Vertragsverhandlungen vor allem Kompensationszahlungen für bereits erlittene Schäden. Die Industrienationen hingegen betonten die Notwendigkeit, das Risikomanagement zu verbessern, damit künftige Einbußen vermieden werden können. Thomas Schinko vom Wegener Center der Uni Graz und Reinhard Mechler, der auch an der WU Wien tätig ist, präsentieren in ihrer Publikation nun zwei Maßnahmenbündel, wie aktuelle und künftige Bedrohungen gemeinschaftlich angegangen werden können, ohne die großen CO2-Emittenten aus der Verantwortung zu entlassen. Die Wissenschafter fordern einerseits „kuratives Risikomanagement“, das sind jetzt zu setzende Schritte, um in Zukunft beispielsweise negative Auswirkungen des absehbaren Meeresspiegelanstiegs zu vermeiden. Andererseits sollten LandwirtInnen und BewohnerInnen von gefährdeten Regionen jetzt schon durch so genanntes „transformatives Risikomanagement“ dabei unterstützt werden, sich eine neue Lebensgrundlage zu suchen – etwa durch freiwillige Umsiedelungen oder Jobs im Bereich der erneuerbaren Energie. Außerdem sehen die beiden Wissenschafter eine von den Industrienationen finanzierte Versicherung als relevant an, die Klimaschäden in ärmeren Ländern kompensiert und Anpassungsmaßnahmen finanziert.

Die Überlegungen der Studie basieren auf der Risikoforschung sowie sozialwissenschaftlichen, ethischen und juristischen Arbeiten. Mechler und Schinko erarbeiten konkrete Lösungsvorschlägen für politische EntscheidungsträgerInnen, die auch beim nächsten Treffen der United Nations Framework Convention on Climate Change im November in Marokko thematisiert werden. Sie sind in persönlichem Kontakt mit den VerhandlerInnen des Weltklimaabkommens und haben hierzu ein praxisorientiertes „Loss and Damage Network“ ins Leben gerufen, an dem neben zahlreichen internationalen ExpertInnen auch der Philosoph und Klimaethiker Univ.-Prof. Dr. Lukas Meyer sowie das Doktoratskolleg Klimawandel der Uni Graz beteiligt sind.

Link zur Publikation

Erstellt von Dagmar Eklaude

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